- docs/SPEC.md (v1.2: Assets & BIA als ein Modul, Risiko-Detailansicht mit Maßnahmen/betroffenen Assets, Risiko-Verknüpfungen in allen Detailansichten) + UI-Mockup als Referenz - Docker-Compose: app, worker, postgres (pgvector), redis, minio, mailhog - Prisma 7: Fundament-Schema (Tenant, User, RBAC, AuditLog), prisma.config.ts, pg-Treiberadapter - Tenant-Guard (src/server/db.ts): erzwungene Mandanten-Isolation für alle tenant-gebundenen Modelle - AGENTS.md/README mit Projektregeln (Isolation, RBAC, Audit-Log, i18n, Lizenz) Co-Authored-By: Claude Fable 5 <noreply@anthropic.com>
24 KiB
ISMS-Plattform – Umsetzungsspezifikation
Version 1.2 · Ergänzt gegenüber 1.1: Assets & BIA als ein gemeinsames Modul, zugeordnete Risiken in Asset-/Prozess-Detailansichten, ausgearbeitete Risiko-Detailansicht (Maßnahmen, betroffene Assets, Control-Verknüpfung, Verlauf).
Diese Datei ist die Projekt-Spec für die Umsetzung durch Claude Code. Sie beschreibt Architektur, Datenmodell, Module, Rollen, API und Akzeptanzkriterien. Sprache der Anwendung: Deutsch (i18n-fähig, EN vorbereitet).
0. Kontext & Leitentscheidungen
Es wird eine Web-Applikation zum Betrieb eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS) entwickelt, die von mehreren Kunden (Mandanten) mit mehreren Nutzern und Rollen genutzt wird. Ausrichtung auf ISO/IEC 27001:2022 und TISAX / VDA-ISA 6.0.
Getroffene Entscheidungen (aus Anforderungsklärung):
| Thema | Entscheidung |
|---|---|
| Betriebsmodell | Zentrale SaaS, Multi-Tenant (gemeinsame DB, Mandanten-ID + strikte Row-Level-Trennung) |
| Container | Betrieb in Docker (Compose), horizontal skalierbar |
| KI / Assistent + Chat | Cloud-LLM (Anthropic/OpenAI) über austauschbaren Provider-Adapter |
| Tech-Stack | Modernes Web-Frontend, Technologie offen → empfohlener Stack unten |
| Authentifizierung | Lokale Accounts (MVP) mit RBAC; SSO (OIDC/SAML) als spätere Erweiterung vorbereiten |
| Umfang | Alle Module gleichwertig (kein hartes Phasing), aber sinnvolle Iterationsreihenfolge |
| Norm-Inhalte | ISO 27001:2022 Annex A (93 Controls) vorbefüllt + SoA; VDA-ISA Struktur/Mapping vorbereitet, Katalog-Inhalte per Import (lizenzrechtlich, siehe §12) |
| Sprache | Deutsch, i18n-ready |
| UX | Modern, einfach, geringe Komplexität, Drag-and-Drop, grafische Oberflächen |
1. Empfohlener Tech-Stack
Ziel: eine Codebasis, geringe Betriebs- und Wartungskomplexität, moderne UX.
- Frontend & Backend: Next.js 15 (App Router, React 19, TypeScript) — SSR + API in einem Deployment.
- API-Layer: tRPC (typsicher) oder REST (OpenAPI). Empfehlung: tRPC intern, zusätzlich schlanke REST-Endpunkte für Integrationen/Webhooks.
- ORM/DB: Prisma + PostgreSQL 16. Vektorsuche für den Chat/RAG über pgvector (kein zusätzlicher Vektor-DB-Dienst nötig).
- Auth: Auth.js (NextAuth) mit Credentials-Provider (lokale Accounts), Argon2id-Hashing, TOTP-2FA. OIDC/SAML-Provider als Feature-Flag vorbereitet.
- Hintergrundjobs / wiederkehrende Aufgaben: BullMQ + Redis (Scheduler für Reviews, Audits, Fristen, Erinnerungen).
- Dateispeicher: S3-kompatibel (MinIO im Compose-Stack), verschlüsselt.
- UI-Kit: Tailwind CSS + shadcn/ui, Icons via lucide-react, Diagramme via Recharts.
- Drag-and-Drop: dnd-kit (Kanban-Boards, Risiko-Matrix-Einordnung, Aufgaben, Datei-Uploads).
- KI-Anbindung: Provider-Adapter (
AiProvider-Interface) für Anthropic/OpenAI; RAG-Pipeline auf Dokumenten des Mandanten. - E-Mail: SMTP (Benachrichtigungen, Fristen, Eskalationen).
- Tests: Vitest (Unit), Playwright (E2E). Linting: ESLint + Prettier.
Alternative bei starkem KI-/Analytics-Fokus: zusätzlicher Python-FastAPI-Microservice nur für RAG/Embedding. Für geringe Komplexität zunächst nicht empfohlen — alles in Next.js.
2. Architektur (High-Level)
┌─────────────────────────────────────────────┐
Browser ───▶ │ Next.js (App Router) │
(DE UI) │ - React UI (Tailwind + shadcn/ui, dnd-kit) │
│ - tRPC/REST API │
│ - Auth.js (RBAC, Mandanten-Guard) │
└───────┬───────────────┬──────────────┬───────┘
│ │ │
Prisma BullMQ AiProvider
│ (Worker) (Adapter)
┌───────▼───────┐ ┌───▼────┐ ┌────▼─────────┐
│ PostgreSQL 16 │ │ Redis │ │ Anthropic / │
│ + pgvector │ │ │ │ OpenAI API │
└───────────────┘ └────────┘ └──────────────┘
┌───────────────┐
│ MinIO (S3) │ Dokumente, Nachweise, Uploads
└───────────────┘
Mandantenfähigkeit (Multi-Tenant): Jede fachliche Tabelle trägt tenant_id. Zugriff ausschließlich über einen zentralen Prisma-Middleware-/Query-Guard, der tenant_id aus der Session erzwingt (Row-Level-Isolation). Zusätzlich Postgres Row Level Security (RLS) als zweite Verteidigungslinie. Kein Query ohne Mandantenkontext.
3. Rollen- und Rechtemodell (RBAC)
Rollen sind pro Mandant vergeben. Ein Nutzer kann mehrere Rollen haben.
| Rolle | Beschreibung | Kernrechte |
|---|---|---|
| Plattform-Admin (mandantenübergreifend) | Betreiber der SaaS | Mandanten anlegen/sperren, globale Kataloge pflegen, keine Einsicht in Kundendaten außer für Support (protokolliert) |
| Mandanten-Admin | Kundenadministrator | Nutzer/Rollen im Mandanten verwalten, Stammdaten, Konfiguration |
| ISB / CISO | Informationssicherheitsbeauftragter | Vollzugriff fachlich: Risiken, Assets, BIA, Maßnahmen, Vorfälle, Freigaben, Chat-Eskalationsziel |
| Auditor (intern/extern) | Prüfer | Lesezugriff + Audit-Durchführung, Findings anlegen, keine Bearbeitung der Fachdaten |
| Asset-/Risk-Owner | Fachverantwortliche | Bearbeitung zugewiesener Assets/Risiken/Maßnahmen |
| Mitarbeiter / User | Standardnutzer | Chat nutzen, Richtlinien lesen, Vorfälle melden, eigene Aufgaben |
Rechte werden als granulare Permissions (asset:read, risk:write, incident:manage, …) implementiert und über Rollen gebündelt. UI blendet nicht-erlaubte Aktionen aus; API prüft serverseitig.
4. Module (funktionaler Kern)
4.1 Assets & BIA (ein gemeinsames Modul)
Asset-Inventar und Business Impact Analyse bilden ein zusammenhängendes Modul (gemeinsamer Navigationsbereich, durchgängige Detailansichten). Assets, Prozesse und deren Kritikalität werden im selben Kontext gepflegt.
4.1.1 Asset-Inventar
Zentrales Verzeichnis aller Werte (Assets): Informationen, Systeme, Anwendungen, Standorte, Lieferanten, Personen/Rollen, Datenkategorien.
- Attribute: Name, Typ, Owner, Standort/Prozesszuordnung, Klassifizierung (C/I/A — Vertraulichkeit/Integrität/Verfügbarkeit als Schutzbedarf 1–4), Lieferanten/Verantwortliche, Status, Tags.
- Beziehungen zwischen Assets (Abhängigkeiten) modellierbar → speist BIA und Risiko.
- Import/Export (Excel/CSV), Bulk-Bearbeitung, Versionshistorie.
- Grafische Ansicht: filterbare Tabelle + optionale Abhängigkeits-/Netzwerkgrafik.
- Asset-Detailansicht zeigt neben Stammdaten und Beziehungen auch:
- Zugeordnete Risiken (mit Risikowert, Status, Behandlung) inkl. Absprung in die Risiko-Detailansicht,
- zugeordnete Prozesse (mit Rolle primär/sekundär) und daraus vererbter Schutzbedarf,
- verknüpfte Maßnahmen, Vorfälle und Nachweise.
4.1.2 Business Impact Analyse (BIA)
Ermittelt Kritikalität von Prozessen/Assets und Wiederanlaufparameter.
- Erfassung von Geschäftsprozessen, Zuordnung zu Assets.
- Asset-Rollen je Prozess (Detailansicht): In der Prozess-Detailansicht werden die zugeordneten Assets nach Rolle unterschieden:
- Primäres Asset = das im Prozess erzeugte/verantwortete Ergebnis-Asset (z. B. der erzeugte Datensatz/das Informationsobjekt). Genau ein oder wenige je Prozess.
- Sekundäre Assets = alle unterstützenden Assets, die zur Prozessdurchführung benötigt werden (Systeme, Anwendungen, Infrastruktur, Personen/Rollen, Lieferanten).
- Die Rollenzuordnung speist die Abhängigkeitsanalyse (siehe 4.11) und die Schutzbedarfsvererbung: Der Schutzbedarf des primären Assets/Prozesses vererbt sich auf die sekundären Assets (max. Prinzip).
- Schadensszenarien und Schadenshöhe je Schutzziel und Zeitverlauf.
- Kennzahlen: RTO, RPO, MTD/MTPD, maximal tolerierbarer Ausfall.
- Ergebnis: Kritikalitätsstufe je Prozess/Asset → priorisiert Risikoanalyse und Maßnahmen.
- Prozess-Detailansicht zeigt zusätzlich die zugeordneten Risiken des Prozesses und seiner Assets (aggregiert, mit Risikowert und Status).
- Geführter Wizard (Schritt-für-Schritt), Ergebnis als Report exportierbar.
4.2 Risikoanalyse & -behandlung
Aufbauend auf Assets + BIA.
- Risiken = (Asset/Prozess) × Bedrohung × Schwachstelle.
- Bewertung: Eintrittswahrscheinlichkeit × Auswirkung → Risikowert; konfigurierbare Skalen (z. B. 5×5).
- Interaktive Risiko-Matrix (Heatmap) mit Drag-and-Drop-Einordnung/Filter.
- Risikobehandlung: Vermeiden / Vermindern / Übertragen / Akzeptieren; Maßnahmen (Controls) verknüpfen.
- Rest-Risiko nach Maßnahme, Risikoakzeptanz mit Freigabe-Workflow (ISB/Leitung).
- Vererbung: Schutzbedarf aus Asset/BIA wird vorbelegt.
- Verknüpfung zu ISO-27001-Annex-A-Controls und VDA-ISA-Zielen (SoA-Bezug).
- Risiko-Detailansicht (vollständig):
- Stammdaten: Beschreibung, Bedrohung/Schwachstelle, Owner, Status, Termine/Reviews.
- Bewertung: Brutto-Risiko (Wahrscheinlichkeit × Auswirkung), Rest-Risiko nach Maßnahmen, Bewertungshistorie (Verlauf des Risikowerts über Zeit).
- Notwendige/verknüpfte Maßnahmen: Liste der behandelnden Maßnahmen mit Status, Fälligkeit und Owner; neue Maßnahme direkt aus dem Risiko heraus anlegbar.
- Betroffene Assets/Prozesse: alle verknüpften Assets und Prozesse mit Schutzbedarf/Kritikalität, Absprung in deren Detailansichten.
- Verknüpfte Annex-A-Controls / VDA-ISA-Ziele (SoA-Bezug) und ggf. auslösende Vorfälle.
- Freigabe-/Akzeptanz-Workflow mit Kommentar und Audit-Trail.
4.3 Control-Kataloge & Statement of Applicability (SoA)
- ISO 27001:2022 Annex A mit 93 Controls in 4 Themen (Organisatorisch 37, Personenbezogen 8, Physisch 14, Technologisch 34) vorbefüllt.
- SoA: je Control Anwendbarkeit (ja/nein + Begründung), Umsetzungsstatus, Verweise auf Maßnahmen/Nachweise, Verantwortliche.
- VDA-ISA 6.0: 9 Kapitel/Prüfziele als Struktur + Mapping-Tabelle ISO↔VDA-ISA (siehe §12 zur Lizenz).
- Reifegrad-Bewertung (VDA-ISA-Reifegradmodell 0–5) je Prüfziel.
4.4 Maßnahmenverwaltung (Controls/Tasks)
- Maßnahmen mit Owner, Fälligkeit, Status, Priorität, Nachweisen (Dateien).
- Kanban-Board (Drag-and-Drop) und Listen-/Kalenderansicht.
- Verknüpfung zu Risiken, Controls, Vorfällen, Audits.
- Maßnahmen-Detailansicht zeigt die zugeordneten Risiken (welche Risiken behandelt diese Maßnahme, mit Risikowert vor/nach) sowie verknüpfte Controls, Vorfälle und Nachweise.
4.5 Wiederkehrende Aufgaben & Fristen (Scheduler)
Automatische Erzeugung/Erinnerung für u. a.:
- Benutzer-/Zugriffs-Review (z. B. quartalsweise),
- Interne Audits und externe Audits/Re-Zertifizierung (Zyklen),
- Management-Review, Richtlinien-Review, Risiko-Review, Lieferanten-Review.
- Konfigurierbare Wiederholung (cron-artig), Zuweisung, Eskalation bei Überfälligkeit, E-Mail-Benachrichtigung, Dashboard-Fälligkeitsanzeige.
4.6 Richtlinien-Management & Implementierungs-Assistent
- Richtlinien-Bibliothek mit Versionierung, Freigabe- und Lese-Bestätigungs-Workflow.
- KI-Assistent führt Nutzer durch die Anpassung von Muster-Richtlinien an das eigene Unternehmen.
- Zwei Individualisierungs-Ebenen:
- Basisdaten/Metadaten: Firmenname, verantwortliche Rollen, Geltungsbereich, Platzhalter.
- Inhaltliche Anpassung der Klauseln: Die KI formuliert und passt die eigentlichen Richtlinientexte (Klauseln/Abschnitte) auf Basis der Unternehmensangaben an (z. B. erlaubte Geräte, Fristen, Verantwortlichkeiten, branchenspezifische Anforderungen). Vorschläge sind akzeptier-/verwerfbar.
- Inline-Editor (WYSIWYG): Nutzer bearbeiten die generierten Klauseltexte direkt im Tool; KI-Assistenz („umformulieren", „kürzen", „an Control X ausrichten") auf Absatzebene.
- In-Tool-Darstellung: Die Richtlinie wird innerhalb der Anwendung gerendert lesbar dargestellt (formatierte Ansicht, Inhaltsverzeichnis, verknüpfte Controls), nicht nur als Download.
- Governance: Versionierung mit Änderungsverlauf/Diff, Freigabe-Workflow, Lesebestätigung durch Mitarbeiter, Verknüpfung zu ISO-/VDA-Controls.
- Export als PDF/DOCX; Ablage in der Richtlinien-Bibliothek; Anbindung an den Chat (RAG) als Wissensquelle.
4.7 Interaktiver Chat (RAG + Eskalation)
- Nutzer stellen Fragen; der Chat sucht per RAG in der Dokumentation/Richtlinien des Mandanten (pgvector) und antwortet mit Quellenangabe.
- Wenn keine belastbare Antwort/Berechtigung → Eskalation/Ticket an den ISB (Weiterleitung, Benachrichtigung, Nachverfolgung).
- Nur mandanten-eigene Dokumente im Kontext; keine mandantenübergreifende Vermischung.
4.8 Sicherheitsvorfall-Management (Incident)
- Meldung von Vorfällen (auch niedrigschwellig durch Mitarbeiter, Formular + Chat).
- Workflow: Erfassung → Triage/Kategorisierung → Bearbeitung → Eskalation → Abschluss → Lessons Learned.
- Schweregrad, betroffene Assets, SLA/Fristen, Aufgaben, Zeitleiste, Nachweise.
- Verknüpfung zu Risiken (neue/erhöhte Risiken) und ggf. Meldepflichten-Hinweis.
4.9 Dashboards & Reporting
- Rollenbezogene Dashboards (ISB, Auditor, Owner): offene Risiken, überfällige Aufgaben, SoA-Erfüllungsgrad, Reifegrade, Vorfälle.
- Exporte: SoA, Risikoregister, Maßnahmenplan, Audit-Report, Management-Review — als PDF/Excel.
4.10 Audit-Management
- Audit-Plan (intern/extern), Scope, Prüfpunkte (aus Katalogen), Findings, Maßnahmen aus Findings, Nachverfolgung, Audit-Report.
4.11 Abhängigkeits- & Kritische-Pfade-Analyse
Visualisiert die Verkettung von Prozessen und Assets, um Single Points of Failure und kritische Pfade sichtbar zu machen.
- Netzwerkgraph: Knoten = Prozesse und Assets (primär/sekundär), Kanten = Abhängigkeiten (aus Asset-Relationen und BIA-Rollenzuordnung).
- Kritische Pfade werden anhand von Kritikalität/Schutzbedarf (aus BIA) berechnet und farblich hervorgehoben; Engstellen (Assets, von denen viele kritische Prozesse abhängen) werden markiert.
- Interaktiv: Filtern nach Prozess/Kritikalität, Knoten anklicken → Detail/Sprung zum Asset, Hervorheben aller abhängigen Elemente.
- Speist Risikoanalyse (Konzentrationsrisiken) und BCM/Notfallplanung.
- Umsetzungshinweis: Rendering mit einer Graph-Bibliothek (z. B. Cytoscape.js oder D3-Force); Datenbasis sind
AssetRelationund die BIA-Primär-/Sekundär-Zuordnung.
4.12 Nachweis- & Dokumentenmanagement
- Zentrale, auditfeste Ablage für Nachweise/Evidenzen (Dateien, Screenshots, Protokolle).
- Verknüpfung eines Nachweises mit Controls (SoA), Maßnahmen, Audits, Risiken und Vorfällen.
- Metadaten: Gültigkeit/Ablaufdatum, Verantwortliche, Version, Vertraulichkeit; Erinnerung bei ablaufenden Nachweisen.
- Volltext-/Metadatensuche; Nachweise sind Quelle für den RAG-Chat.
4.13 Lieferanten- & Dienstleister-Management (Third-Party)
Für TISAX besonders relevant.
- Verzeichnis externer Dienstleister/Lieferanten mit Kontakt, Leistungen, Kritikalität.
- Sicherheitsbewertung/Fragebögen, Zertifikatsnachweise (z. B. ISO 27001/TISAX-Label), Ablaufüberwachung.
- Vertrags-/AV-Verwaltung (DSGVO Art. 28), Wiedervorlage/Review-Zyklen (siehe wiederkehrende Aufgaben).
- Verknüpfung zu Assets (welcher Dienstleister betrifft welche Assets) und Risiken (Third-Party-Risiko).
4.14 Management-Review & Kennzahlen (KPIs)
ISO-27001-Pflichtthemen zur Wirksamkeitsmessung.
- Definierbare Kennzahlen/Metriken (z. B. SoA-Erfüllungsgrad, offene Risiken, Reaktionszeiten Vorfälle, überfällige Aufgaben, Reifegradentwicklung) mit Zielwerten und Trend.
- Strukturierte Management-Review-Vorlage (Eingaben, Ergebnisse, Beschlüsse, Verantwortliche, Termine) mit Historie.
- Wirksamkeitsbewertung von Maßnahmen; Export als Management-Report (PDF).
5. Datenmodell (Kern-Entitäten, vereinfacht)
Alle fachlichen Tabellen enthalten tenant_id, created_at, updated_at, created_by.
- Tenant(id, name, status, config)
- User(id, tenant_id, email, password_hash, name, status, mfa_secret)
- Role(id, tenant_id, key, name) / Permission / UserRole / RolePermission
- Asset(id, tenant_id, name, type, owner_id, classification_c/i/a, status, tags)
- AssetRelation(asset_id, related_asset_id, type)
- Process(id, tenant_id, name, owner_id) — BIA-Bezug
- ProcessAsset(id, tenant_id, process_id, asset_id, role =
primary|secondary) — Asset-Rolle je Prozess (BIA) - BiaEntry(id, tenant_id, process_id, rto, rpo, mtd, impact_scores, criticality)
- Threat / Vulnerability (Kataloge, teils global)
- Risk(id, tenant_id, asset_id/process_id, threat_id, likelihood, impact, score, treatment, residual_score, owner_id, status)
- RiskAsset(risk_id, asset_id) — n:m betroffene Assets je Risiko (zusätzlich zum Hauptbezug)
- RiskMeasure(risk_id, measure_id) — n:m Risiko ↔ behandelnde Maßnahmen
- Control(id, framework, ref, title, theme) — global (ISO/VDA)
- Soa(id, tenant_id, control_id, applicable, justification, status, maturity, owner_id)
- Measure/Task(id, tenant_id, title, owner_id, due_date, status, priority, links[])
- RecurringTask(id, tenant_id, type, schedule_cron, next_run, assignee)
- Policy(id, tenant_id, title, version, status, body, ack_required)
- Document/Evidence(id, tenant_id, name, storage_key, embedding[] via pgvector)
- ChatSession/ChatMessage(…, sources[], escalated_to_isb)
- Incident(id, tenant_id, title, severity, status, category, affected_assets[], timeline[])
- Audit(id, tenant_id, type, scope, planned_date) / Finding(…)
- Supplier(id, tenant_id, name, criticality, contract_ref, av_status, cert_status, cert_expiry, review_cron) / SupplierAsset(supplier_id, asset_id)
- Kpi(id, tenant_id, name, target, unit) / KpiValue(kpi_id, period, value)
- ManagementReview(id, tenant_id, date, inputs, results, decisions, owner_id)
- AuditLog(id, tenant_id, actor, action, entity, before/after, timestamp)
6. API-Design (Auszug)
REST-/tRPC-Ressourcen je Modul mit CRUD + Aktionen:
/assets, /bia, /risks, /controls, /soa, /measures, /recurring-tasks, /policies, /chat, /incidents, /audits, /reports, /admin/tenants, /admin/users.
Querschnitt: GET /export/{modul} (Excel/PDF), POST /import/{modul} (Excel/CSV), Webhooks für Fristen/Eskalationen. Jede Anfrage: Auth-Guard → Mandanten-Guard → Permission-Check → Handler → AuditLog.
7. Nicht-funktionale Anforderungen
- Sicherheit: Verschlüsselung at-rest (DB/Objektspeicher) und in-transit (TLS), Argon2id-Passwörter, TOTP-2FA, Session-Härtung, CSRF-/XSS-/SQLi-Schutz, striktes RBAC + Mandanten-Isolation (RLS), vollständiges Audit-Log.
- Datenschutz (DSGVO): Auftragsverarbeitung, Löschkonzept, Datenminimierung; für Cloud-LLM: DPA mit KI-Anbieter, konfigurierbares Opt-out des Trainings, optionale Anonymisierung sensibler Felder vor KI-Aufruf.
- Performance: Listen mit Server-Pagination/Filter; Zielantwortzeit < 300 ms für Standardabfragen.
- Verfügbarkeit: Stateless App-Container (horizontal skalierbar), Backups DB + Objektspeicher, Health-/Readiness-Endpunkte.
- Barrierefreiheit & UX: WCAG-AA-orientiert, responsive, konsistente Komponenten, geringe Klicktiefe.
- i18n: Alle UI-Texte über Message-Katalog (de default, en vorbereitet).
- Nachvollziehbarkeit: Versionierung von Richtlinien, Risiken, SoA; lückenloses Änderungsprotokoll (auditfest).
8. Deployment (Docker)
docker-compose.yml mit Services: app (Next.js), worker (BullMQ), postgres (pgvector-Image), redis, minio, optional mailhog (Dev). Konfiguration über .env (DB, Redis, S3, SMTP, AI_PROVIDER, AI_API_KEY). Migrations via Prisma. Seed-Skript befüllt globale Kataloge (ISO Annex A, VDA-ISA-Struktur, Threat-/Vuln-Beispiele) und einen Demo-Mandanten.
9. UX-Leitlinien
Modern, aufgeräumt, geringe Komplexität. Konsequenter Einsatz von: geführten Wizards (BIA, Richtlinien-Assistent), Drag-and-Drop (Kanban für Maßnahmen/Aufgaben, Risiko-Heatmap, Datei-Uploads), grafischen Auswertungen (Heatmaps, Reifegrad-Radar, Fortschrittsbalken), Inline-Bearbeitung und klaren, rollenbezogenen Startseiten. Fachbegriffe mit Tooltips erklärt.
Das HTML-Mockup (docs/ISMS-Prototyp-GEFIM.html) dient als Orientierung für Navigation, Layout und Views — die Module werden fachlich darüber hinaus vervollständigt (z. B. Risiko-Verknüpfungen in Detailansichten, siehe §4).
10. Akzeptanzkriterien (Definition of Done je Modul)
- Ein Nutzer eines Mandanten sieht niemals Daten eines anderen Mandanten (durch Test nachgewiesen: RLS + Guard).
- RBAC serverseitig erzwungen; UI blendet unerlaubte Aktionen aus.
- Asset → BIA → Risiko → SoA/Maßnahme bilden eine durchgängige, verknüpfte Kette — in beide Richtungen navigierbar (Asset zeigt Risiken, Risiko zeigt Maßnahmen/Assets, Maßnahme zeigt Risiken).
- Wiederkehrende Aufgaben erzeugen automatisch Instanzen, benachrichtigen und eskalieren bei Überfälligkeit.
- Chat beantwortet Fragen mit Quellen aus Mandanten-Dokumenten und eskaliert korrekt an den ISB.
- Incident-Workflow von Meldung bis Abschluss inkl. Zeitleiste und Nachweisen.
- Exporte (SoA, Risikoregister, Audit-Report) erzeugen valide PDF/Excel.
- E2E-Tests (Playwright) für die Kernpfade grün; Audit-Log erfasst alle schreibenden Aktionen.
11. Empfohlene Umsetzungsreihenfolge (Iterationen)
Auch wenn Module gleichwertig sind, minimiert diese Reihenfolge das Risiko:
- Fundament: Projektsetup, Docker-Compose, Auth (lokale Accounts), Mandanten-Isolation (RLS + Guard), RBAC, Audit-Log, i18n-Gerüst.
- Kern-Fachdaten: Assets & BIA (ein Modul) → Risikoanalyse (inkl. Heatmap + Detailansicht).
- Compliance: ISO-Annex-A-Katalog + SoA, VDA-ISA-Struktur + Mapping, Reifegrade.
- Betrieb: Maßnahmen-Kanban, wiederkehrende Aufgaben/Scheduler, Benachrichtigungen.
- Vorfälle: Incident-Management inkl. Meldeformular.
- KI: RAG-Chat mit Eskalation, Richtlinien-Implementierungs-Assistent.
- Auswertung: Dashboards, Reporting/Exporte, Audit-Management.
- Härtung: Sicherheits-/Datenschutz-Review, Tests, Doku.
12. Lizenz-/Rechtshinweis zu Katalog-Inhalten (empfohlenes Vorgehen)
- ISO 27001:2022 Control-Titel/Referenzen (Annex A, A.5–A.8) können als Katalog abgebildet werden; der volle Normtext ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht mitgeliefert werden. → Nur Kurzbezeichnungen + eigene Umsetzungshinweise, Volltext verweist der Kunde auf seine erworbene Norm.
- VDA-ISA 6.0 / TISAX: Der ISA-Katalog wird vom VDA/ENX bereitgestellt (ISA6 als Excel). Empfehlung: Struktur (9 Kapitel/Prüfziele) und Mapping abbilden, die konkreten Katalog-Inhalte per Import aus der offiziellen ENX-Datei einspielen (Import-Funktion für
ISA6-EN.xlsx). So bleibt die Anwendung lizenzkonform und aktualisierbar. - Mapping ISO 27001 ↔ VDA-ISA als pflegbare Tabelle vorsehen (Controls beeinflussen mehrere Prüfziele und umgekehrt).
13. Offene Punkte / spätere Erweiterungen
- SSO (OIDC/SAML, z. B. Entra ID) — Feature-Flag bereits vorgesehen.
- Self-hosted-LLM-Option je Mandant (falls Datenschutzanforderungen es verlangen).
- Meldepflichten-Assistent (NIS2/DSGVO-Fristen) im Incident-Modul.
- Mobile App / PWA für Vorfallmeldung.
Quellen
- VDA-ISA / TISAX Katalog v6.0: https://portal.enx.com/en-us/TISAX/downloads/
- VDA ISA 6.0 verpflichtend: https://vda-isa-berater.com/en/mandatory-vda-isa-catalog-version-6-0-for-all-those-who-order-the-tisax-assessment-now/
- VDA Information Security: https://www.vda.de/en/topics/digitization/data/information-security